So geht Business in NRW: Unternehmenssteuern

Unternehmensbesteuerung

Die Besteuerung von Unternehmen in Deutschland erfolgt in zwei Stufen:

Auf der ersten Stufe unterliegen Körperschaften - wie eine AG oder GmbH - der Körperschaftssteuer, Personengesellschaften - wie eine GbR, oHG oder KG - der Einkommensteuer. Sowohl bei der Körperschaftsteuer als auch bei der Einkommensteuer handelt es sich um Steuerarten mit bundesweit einheitlichen Steuersätzen (s.u).

Auf der zweiten Stufe zahlen sowohl Körperschaften als auch Personengesellschaften Gewerbesteuer. Bei der Gewerbesteuer handelt es sich um eine kommunale Steuer, bei der die jeweiligen Steuersätze von der Gemeinde individuell festgelegt werden, so dass die Gewerbesteuersätze von Gemeinde zu Gemeinde variieren (s.u).

Die durchschnittliche steuerliche Gesamtbelastung für Unternehmen beträgt weniger als 30% und liegt damit unter der anderer großer Industriestaaten. In einigen Regionen Deutschlands liegt sie, bedingt durch den lokal variablen Gewerbesteuersatz, unter 23 Prozent.

Eine Doppelbesteuerung von in Deutschland erwirtschafteten Gewinnen international operierender Unternehmen kann auf Grundlage verschiedener Doppelbesteuerungsabkommen vermieden werden.

Körperschaftsteuer für Kapitalgesellschaften

Der Körperschaftsteuer unterliegen alle Kapitalgesellschaften, wie zum Beispiel die Aktiengesellschaft (AG) oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).

Der Steuersatz beträgt einheitlich 15% auf den zu versteuernden Unternehmensgewinn.

Körperschaftsteuer ist sowohl für einbehaltene als auch für ausgeschüttete Gewinne zu zahlen

Dividendenbesteuerung: Kapitalertragssteuer

Nimmt ein deutsches Tochterunternehmen Gewinnausschüttungen an seine ausländische Muttergesellschaft vor (Dividendenzahlung), ist grundsätzlich eine 25-prozentige Kapitalertragssteuer zu zahlen.

Im Falle eines bestehenden Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) zwischen der Bundesrepublik Deutschland und einem ausländischen Staat kann die geleistete Kapitalertragssteuer entsprechend der im jeweiligen DBA getroffenen Vereinbarungen rückerstattet werden. In der Regel werden Dividendenzahlungen durch ein DBA mit einem reduzierten Steuersatz von lediglich 5%, 10% oder 15% besteuert. Zu Teilen besteht auch die Möglichkeit einer Befreiung von der Kapitalertragssteuer.

Die in Deutschland abgeführte Kapitalertragssteuer (sogenannte Quellensteuer) kann zudem auf die im Ausland bestehende Steuerschuld der Muttergesellschaft angerechnet werden. Effektiv besteht somit keine Doppelbesteuerung. Auch hier sind die jeweiligen Regelungen in den entsprechenden Doppelbesteuerungsabkommen aufgeführt.

Ist der Gläubiger der Kapitalgesellschaft eine ausländische Körperschaft, so können grundsätzlich immer 2/5 der gezahlten Kapitalertragssteuer zurückerstattet werden - unabhängig davon, ob ein DBA besteht oder nicht.

Innerhalb der EU sind Dividendenzahlungen zwischen einer inländischen Tochtergesellschaft und einer ausländischen Muttergesellschaft ab einer 10-prozentigen Beteiligung steuerfrei.

Dividendenbesteuerung: Abgeltungssteuer

Gewinne, die an private Anteilseigner ausgeschüttet werden, unterliegen einer Abgeltungssteuer in Höhe von 25%. Die Abgeltungsteuer wird direkt an der Quelle, d.h. durch den Schuldner der Dividende oder die depotverwaltende Stelle einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Solidaritätszuschlag

Auf die Körperschaftsteuer wird dann der sogenannte Solidaritätszuschlag hinzugerechnet.

Der Solidaritätszuschlag ist eine Sonderabgabe, die 1995 in Zusammenhang mit der Finanzierung der deutschen Wiedervereinigung eingeführt wurde. Er muss sowohl von Kapital- als auch Personengesellschaften abgeführt werden.

Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5% des jeweiligen Körperschaftssteuer- bzw. Einkommensteuersatzes, für Kapitalgesellschaften also 5,5% der 15%tigen Körperschaftssteuer, mithin 0,825%. Körperschaftssteuer und Solidaritätszuschlag addieren sich somit auf einen Betrag von 15,825%.

Einkommenssteuer für Personalgesellschaften

Personengesellschaften wie die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), die offene Handelsgesellschaft (oHG) sowie die Kommanditgesellschaft (KG), werden nicht wie Kapitalgesellschaften als eigenständige juristische Person behandelt, sondern gelten als Personenvereinigungen von Gesellschaftern. Die Gesellschafter selbst sind Träger aller Rechte und Pflichten. Die Personengesellschaft trägt Rechte und Pflichten nur in beschränktem Umfang.

Entsprechend wird nicht die Personengesellschaft besteuert (wie bei Kapitalgesellschaften der Fall) sondern die einzelnen Gesellschafter, wobei der persönliche Einkommensteuersatz des jeweiligen Gesellschafters maßgeblich ist. Lediglich der zu versteuernde Gewinn wird auf Gesellschaftsebene ermittelt und dann gemäß der Anteile auf die Gesellschafter verteilt.

Grundsätzlich sind sowohl einbehaltene als auch ausgeschüttete Gewinne einer Personengesellschaft Gegenstand der Einkommensteuer.

Einkommensteuersatz

Der Einkommensteuersatz startet bei

  • 14% für Einkommen, die den jährlichen Grundfreibetrag von EUR 8.820 übersteigen,
  • und steigt progressiv bis zu einem Spitzensteuersatz von 42% (ab einem Jahreseinkommen von EUR 54.058).
  • Ein durch einen Zuschlag erhöhter Steuersatz von 45% gilt für jeden Euro, der ein Jahreseinkommen von EUR 256.303 übersteigt.

Solidaritätszuschlag

Ebenso wie die Körperschaftsteuer unterliegt auch die Einkommensteuer dem Solidaritätszuschlag. 5,5% des jeweiligen persönlichen Einkommensteuersatzes des Gesellschafters werden als Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer hinzugerechnet.

Liegt der durchschnittliche Einkommensteuersatz eines Gesellschafters also bei 30%, beläuft sich der Solidaritätszuschlag demzufolge auf 1,65%, die zusätzlich auf den durchschnittlichen Einkommensteuersatz addiert werden (insgesamt also 31,65%).

Harmonisierung der Besteuerung von Körperschaften und Personengesellschaften

Der Steuersatz, dem Gesellschafter einer Personengesellschaft unterliegen, kann optional an den Steuersatz von Kapitalgesellschaften angeglichen werden.

  • Die auf (einbehaltene und ausgeschüttete) Gewinne gezahlte Gewerbesteuer kann in einem gewissen Umfang auf die Einkommensteuerschuld angerechnet werden (siehe dazu auch das Kapitel Gewerbesteuer).
  • Um die progressiv steigenden Steuersätze der Einkommensteuer zu vermeiden, können Personengesellschaften einen pauschalen Steuersatz von 28,25% zzgl. Solidaritätszuschlag (insgesamt also 29,8%) für alle einbehaltenen Gewinne beantragen. Dies entspricht der durchschnittlichen Gesamtsteuerlast einer Kapitalgesellschaft.*

*Wenn der mit diesem pauschalen Steuersatz versteuerte einbehaltene Gewinn zu einem späteren Zeitpunkt an die Gesellschafter ausgeschüttet wird, ist auf Ebene der Gesellschafter unter bestimmten Umständen eine Nachversteuerung in Höhe von 25% erforderlich.

Gewerbesteuer

Der Gewerbesteuer unterliegen alle Gewerbebetriebe in Deutschland, unabhängig von ihrer Rechtsform. Der Steuersatz wird von den Kommunen individuell festgesetzt, kann somit von Gemeinde zu Gemeinde variieren, ist aber in der Regel innerhalb einer Kommune für alle Unternehmen gleich.

Berechnung der Gewerbesteuer

Der jeweilige Gewerbesteuersatz ist abhängig von zwei Komponenten:

  1. der Steuermesszahl (bundesweit einheitlich 3,5%)
  2. und dem Gewerbesteuerhebesatz (örtlich verschieden).

Das steuerpflichtige Einkommen des Unternehmens wird mit der Steuermesszahl (3,5%) multipliziert, woraus sich der sog. Steuermessbetrag ergibt.

Dieser Steuermessbetrag wird dann mit dem jeweiligen kommunalen Gewerbesteuerhebesatz multipliziert und ergibt so den Betrag der fälligen Gewerbesteuer.

Der Gewerbesteuerhebesatz wird von den einzelnen Kommunen individuell festgelegt. Im Durchschnitt liegt er zwischen 350% und 400%, darf aber nicht weniger als 200% betragen. In städtischen Gebieten ist der Hebesatz tendenziell höher als in ländlichen Gebieten. Eine gesetzliche Höchstgrenze für den Hebesatz besteht nicht, jedoch beträgt er auch in großen Ballungsräumen derzeit nicht mehr als 490%.

Beispiel:

  • Gewerbebetrieb A in der Gemeinde B hat ein steuerpflichtiges Einkommen von EUR 1.000.000.
  • Der kommunale Hebesatz in der Gemeinde B beträgt 400%.
  • Aufgrund der einheitlichen Steuermesszahl in Höhe von 3,5% ergibt sich ein Steuermessbetrag für den Gewerbebetrieb A von EUR 35.000.
  • Dieser Steuermessbetrag von EUR 35.000 wird nun mit dem kommunalen Hebesatz multipliziert, woraus sich eine Gewerbesteuerbelastung von EUR 140.000 ergibt, was einem Gewerbesteuersatz von 14% entspricht.

Für Personengesellschaften besteht ein jährlicher Gewerbesteuer-Freibetrag in Höhe von EUR 24.500.

Auf die Gewerbesteuer wird kein Solidaritätszuschlag erhoben.

Anrechnen der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer

Personengesellschaften können Teile der geleisteten Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anrechnen - in Höhe des 3,8fachen des Steuermessbetrages.

Faktisch bedeutet dies, dass für Personengesellschaften in Gemeinden mit einem Hebesatz unter 380% keine effektive Gewerbesteuerbelastung entsteht. Zwar muss eine Gewerbesteuer an die Kommunen entrichtet werden, kann aber mit der Einkommensteuer verrechnet werden.

Beispiel:

  • Für die Personengesellschaft A ergibt sich ein Steuermessbetrag von EUR 35.000 (aufgrund der 3,5%tigen Steuermesszahl auf den jährlichen Gewinn).
  • Dieser Steuermessbetrag kann mit einem Faktor von 3,8 auf die Einkommensteuer angerechnet werden. Daraus ergibt sich ein Anrechnungsbetrag von EUR 133.000.
  • Dementsprechend kann die Personengesellschaft A einen Betrag von EUR 133.000 auf ihre Einkommensteuerschuld anrechnen.