Headerbild News

NRW.INVEST im Gespräch mit ...

Im Interview spricht Charme Rykower, Repräsentantin NRW.INEST Israel/Tel Aviv, über die wirtschaftlichen Verbindungen zu Israel, die israelische Startup-Szene und ihre persönliche Verbindung zu NRW.

  • Was ist Ihr stärkstes Argument, um NRW als Standort zu bewerben?

NRW steht für starke wirtschaftliche und vor allem industriell einflussreiche Unternehmen. In NRW findet man die wichtigsten nationalen und internationalen Akteure, u.a.in den Bereichen IKT, Energie, Maschinenbau, Mobilität und Biotechnologie. Kein anderes (Bundes-)Land bietet ein derart branchenübergreifendes Netzwerk an Industriepartnern und potentiellen Kunden. Aus Sicht israelischer Technologieanbieter also ein wahres Paradies, denn die traditionellen und weltweit erfolgreichen Unternehmen aus und in NRW sind im Zuge von Industrie 4.0 auf der Suche nach innovativen technologischen Lösungen, um ein Fortbestehen der wirtschaftlichen Überlegenheit auch in der digitalen Zukunft sichern zu können.

Dazu kommt die ausgezeichnete geostrategische Lage des Landes. Im Herzen Deutschlands, aber auch Westeuropas, ist es ein logistischer Knotenpunkt zum Erreichen wichtiger Exportmärkte.

  • Welche Synergien sehen Sie zwischen der nordrhein-westfälischen und der israelischen Startup Szene?

Die Synergien ergeben sich paradoxerweise aus den kulturellen Unterschieden der beiden Szenen. Israelis sind plakativ gesprochen schnell, flexibel, kreativ und manchmal auch forsch. Im Gegensatz dazu sind nordrhein-westfälische Gründer entsprechend der deutschen Kultur eher bedacht, zurückhaltend und gut strukturiert. Daher ergeben sich wunderbare Synergien durch eine Anpassung der beiden Mentalitäten..

Während israelische Startups noch vieles in Punkto Skalierbarkeit und Langzeitplanung, aber auch in Sachen Geschäftsmodelle lernen können, können sich Startups in NRW Einiges von der israelischen Startup-Kultur abschauen: eben kurzfristig kreative Lösungen für Probleme anzubieten.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Bereitschaft ein mögliches Scheitern in Kauf zu nehmen. Während es fester Bestandteil des israelischen Alltages ist, Risiken beruflich aber auch privat einzugehen und einen Misserfolg dabei wie selbstverständlich in Kauf zu nehmen, scheuen sich deutsche Unternehmer oft aus Angst zu Scheitern vor Ungewissheit bei Geschäftsgründungen, und neuartigen Geschäftsprozessen.

  • Wo liegen die Unterschiede zwischen den Startup-Szenen in NRW und Israel?

Hier sehe ich vorrangig drei dominierende Unterschiede.

Zum einen variieren die beiden Szenen wohl hauptsächlich im Stadium ihrer Entwicklung. Ich schätze das israelische Ökosystem ist demjenigen NRWs und vergleichbarer Bundesländer um ca. 10 Jahre voraus, sowohl de facto in der Reife der Akteure also auch in der technologischen Entwicklung. Das liegt vor allem auch an der vorher erwähnten Einstellung zu Risiko. Denn Venture Capital ist ja nichts anderes als Risikokapital. Während die VC Szene in Israel schon in die nächste Generation geht, ist Risikokapital in Deutschland immer noch recht selten anzutreffen.

Ein weiterer Unterschied ist die Rolle des Staates bei der Förderung des Startup Ökosystems. In Israel wurde bereits in den 90er Jahren staatliches Kapital bereitgestellt, mit dem erste Meilensteine für das heute existierende Netzwerk an Akzeleratoren gelegt wurde. Bis heute vergibt der Staat Lizenzen an themenspezifische Inkubatoren, deren Hauptaufgabe darin besteht, Early Stage und Seed Stage Startups für eine Dauer von zwei Jahren zu inkubieren, wobei ihnen dabei eine staatliche Finanzierung zuteil kommt.

Ein drittes Unterscheidungsmerkmal ist die Größe der beiden Länder. Da es sich in Israel um ein sehr kleines und damit gesellschaftlich sowie professionell überschaubares Land handelt, ist es einfacher, die dominierenden Akteure zu kennen. Die geographische Nähe vereinfacht die Kommunikation und salopp gesagt, kann man sich mal eben bei einem Mittagsimbiss auf dem Rothshild Boulevard, dem Herzstück der Startup Nation, über die neuesten Entwicklungen austauschen.

  • Was verbindet Sie persönlich mit NRW?

Eine tiefe Bewunderung für das dort Erreichte. Wirtschaftskraft entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis harter und ausdauernder Arbeit. NRW kann mit Stolz auf weltweit führende Marktplayer blicken. Dazu beeindruckt mich jedes Mal die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen an Rhein und Ruhr. Dabei sind die persönlichen Begegnungen immer freundschaftlich, direkt und hochprofessionell.